Review 34_Edradour Port Matured 9th Release 2003, 46%
“Es kommt nicht auf die Größe an.“
Diese vor allem bei Sportwagenfahrern beliebte These soll heute auf ihre Allgemeingültigkeit überprüft werden. Keine Sorge, es wird hier nicht über die Kompensationsgrade einzelner Automarken philosophiert werden, vielmehr trinke ich heute ein Fasswasser aus der kleinsten Brennerei Schottlands. Edradaour liegt in den schottischen Highlands und produziert in einer Woche das, was andere, große Brennereien in drei Tagen herstellen können. Näheres zu Edradour aus Wikipedia zitiert:
Die Brennerei liegt in einem kleinen Tal, verborgen von umliegenden Bergen, östlich
der Ortschaft Pitlochry. Der Name Edradour ist von gälisch „Edred dobhar“ („Der Fluss von König Edred“) abgeleitet. Von den Angestellten werden nur zwölf Fässer mit 600 Gallonen (ca. 2.720 Liter) Destillat pro Woche hergestellt, das ergibt ca. 90.000 l bzw ca. 250.000 Flaschen pro Jahr – große Brennereien produzieren diese Menge in einer Woche. Jährlich kommen jedoch bis zu 100.000 Besucher zu dieser Destillerie, so dass zusätzlich fast 20 Fremdenführer beschäftigt werden müssen.
Die Destillerie wurde wahrscheinlich bereits 1825 durch eine Kooperative von Bauern zur Deckung des Eigenbedarfs gegründet. Die offizielle Gründung und die damit erste urkundliche Erwähnung fand 1837 statt. 1841 wurde die Kooperative dann in John McGlashan & Co. umbenannt und die Produktion für den Markt begann. 1933 übernahm William Whiteley & Co., ein Tochterunternehmen der amerikanischen Gruppe J.G. Turney & Sons die Destillerie, so dass Edradour Hauptbestandteil des King Ransome wurde. Campbell Distillers Ltd, das zum Spirituosenkonzern Pernod Ricard gehört, übernahm die Firma 1982. Die erste Abfüllung als Single Malt erfolgte 1986. Am 22. Juli 2002 wurde die Destillerie an den unabhängigen schottischen Abfüller Signatory weiterverkauft.
Wenn die beiden Brennblasen auch nur geringfügig kleiner wären, würde die Destillerie als Schwarzbrennerei gelten, da sie dann von den Steuerbehörden als transportabel eingestuft würden.O-Ton des Führers im Besucherzentrum: „Edradour is the smallest legal distillery in Scotland.“ (Edradour ist die kleinste legale Destillerie in Schottland.)
Meine Sympathie zu Edradour basiert auf der Verantwortlichkeit und der Eigentümerschaft von Adrew Symington. Ich mag einfach die Leidenschaft zum Whisky, die man auch und besonders seinenAugen erkennen kann, wenn er über das Uisge Beatha spricht. Als Kostprobe sei auch >>hier<< ein kleines Video verlinkt.
Um die Einleitung vom Anfang wieder aufzugreifen: Heute lässt der Prot Matured 9th Release 2003 “die Hosen runter“. Der Whisky lagerte für ca. 6 Jahre in Butts, die ehemals Port Bodega beherbergten…und zwar für 30-40 Jahre (!)
Edradour Prot Matured 9th Release 2003, 46%
Nase: Der erste Eindruck vermittelt junges Alter (was er ja wohl auch hat ). Er riecht mehr wie ein
Obstbrand oder ja…Erdbeergeist (wenn es so etwas überhaupt gibt ?). Die Erdbeernote ist aber auch bei wiederholtem Schnuppern immer wieder auffindbar. Port ist für mich eher weniger als Aroma zu spüren. Er ist schon da, aber nicht so sehr, wie man erwarten könnte. Cremig.
Geschmack: Er startet süß, regt den Speichelfluss an und wird gegen Ende trockener.
Vordergründig schmecke ich hier Kirsche, die schnell von Eiche abgelöst wird.
Eine besondere Tiefe kann ich hier allerdings nicht entdecken. Auch beim 4. und 5. Schluck finde ich nicht viel Neues.
Abgang: eher kurz, der Eichengeschmack überlebt am längsten.
Fazit: Vielleicht ist der Port Matured Opfer meiner hohen Erwartungshaltung. Ich hatte viel erwartet, vielleicht zu viel. Kann aber trotzdem nichts an ihm finden, was ihn über einen 3-Punktestatus herausheben würde. Verglichen mit anderen, von mir mit 3 Punkten bewerteten Whiskys, hängt er sogar hinterher. Ich vergebe damit nicht erwartete 2/5 Punkten.
Ich weiß allerdings, dass dieser Whisky auch in anderen Whisky-Foren polarisiert.
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