Der Sommer kommt (nun endlich) und ganz Deutschland hüllt sich in sein Sommerkleid. Die Einen folgen allen propagierten möglichen und unmöglichen Trends, die Anderen tragen einfach das den Temperaturen angepasst Praktischste. Für mich persönlich besteht das Hauptkleidungsstück, zumindest für 6-8 Wochen, aus feinstem vierlagigen Zellstofftuch des Designers Tempo. Ich bin nämlich Heuschnupfenallergiker. Nix Wildes an sich, nur nervig und wenn man gerne Whisky kostet und riecht, schon nen echter “cooler”.
Bevor also demnächst meine Nasenkanäle wieder so dicht sind, wie Christoph Daum während der Pinochet Wochen seines Lieblingslieferanten zu Leverkusener Zeiten, da trinke ich doch noch schnell den einen oder anderen Dram zwecks Blogging.
Sollte mich die Tage wie gewohnt der ungeregelte Histaminhaushalt am effizientem Verkosten hindern, packe ich zusätzlich ein paar meiner alten, vor MEwhisky gesammelten Notizen hier rein.
Heute aber hatte ich noch frisch, durch die unglaubliche Großzügigkeit einer Blog Bekannschaft, einen echten Hammer im Glas. Rein von der Rarität und damit auch vom Preis (um die 12.000,- €) her ein Whisky, den ich niemals hätte kosten können, wären mir da nicht eben diese 1cl zugespielt worden.
Also schauen wir mal, ob der Whisky hält, was andere Reviews bereits versprochen haben:

Karuizawa 1964, 48 Jahre, 57,7%
Nase (ohne Wasser): Mir wird gleich klar, dass die Zeit und Menge, die mir zur Verfügung steht, nicht ausreichen wird, um alles zu erkunden, was dieser Nippon-Whisky bietet. Die Sherryaromen treffen als erstes, gefolgt von einer Würze, die sich schön harmonisert. Wäre ich nicht so ein Stadtkind und gänzlich unbewandert in den Gerüchen der einzelnen Bäume und Pflanzen, würde ich hier vermutlich detaillierter beschreiben, was ich nun nur als Holzgeruch wiedergeben kann. Es erinnert mich an trockenes, teilweise leicht angekohltes Unterholz. Dazu immer wieder Früchte wie Pflaumen mit braunem Zucker überstreut. Eingelegte Rosinen und andere dunkle Früchte.
Geschmack (ohne Wasser): Natürlich vollmundig, trocken, mit Frucht und Holznoten - Kein Wunder, reden wir hier doch schließlich auch von 48 Jahren Reifung. Kaffeenoten sind genauso spürbar, wie diese Röstaromen, brauner Zucker und Schokolade.
Jetzt will ich es wissen und gebe einen Tropfen Wasser in meinen kleinen Rest im Glas, den ich jetzt schon vermisse.
Nase (mit Wasser): Unglaublich, wie sehr sich der Whisky nun weiter öffnet. Die Würze tritt leicht zurück. Die Fruchtnote wird “heller”, leicht tropisch, frische Minze(?!) Alles lässt sich wiederfinden, nur etwas anders gewichtet. Da passiert viel im Glas, dessen Inhalt nun leider nur noch einen letzten Schluck hergibt.
Geschmack (mit Wasser): So, wie das Wasser die Frucht etwas mehr hervorgehoben hat, so treibt es im Mund die herbe Würzigkeit nach vorne. Ich empfinde ihn nun als sehr(!) trocken, aber er wird nie eindimensional.
Abgang: Äußerst trocken, lässt aber die beschriebenen Aromen immer wieder als Schimmer über die Zunge huschen. Dunkle Frucht, Kaffee usw.
Fazit: Nein, ich werde nicht sagen, dass es der beste Whisky gewesen ist, den ich je getrunken habe. Nicht, weil er es nicht sein könnte, sondern weil ich mich nicht in Superlativen verlieren möchte und ich (leider) noch nicht sooo viele High End Whiskys kosten konnte (es also an genügend “gleichwertigen” Vergleichsmustern fehlt).
Aber ohne Zweifel ist es ganz große Kunst, was hier hergestellt wurde und ein Highlight unter meinen besonderen Whiskymomenten darstellt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ihn probieren konnte.