Autor-Archiv

Review 78_Wild Turkey Rare Breed, 54,1%

Veröffentlicht in Bourbon, Wild Turkey Rare Breed am Juni 12, 2013 von duesseltaler

Der Bourbon – das Getränk reitender Haudegen mit windgegerbter Haut und duellerprobten Zeigefingern ? Die andere Seite der ein und derselben Medaille oder doch nur der billige, nach Klebstoff riechende Brand aus der neuen Welt ?
Mmh…für mich weder das Eine oder das Andere. Ab einer gewissen Qualitätsstufe nicht konkurrenzfähig, aber dennoch ein tolles Brennereiprodukt, zumindest manchmal. Im Grunde teile ich die Meinung einiger andere, dass so mancher Standardbourbon besser ist, als das preisliche Äquivalent der Standardmalts. Oder wie ich es in einem anderen Forum mal schrieb: “Der Geschmack ist ein Ausschlag, den jeder nur selber kratzen kann!“ Meine ganz persönliche Meinung deshalb heute zum:

wild turkey rare breed

Wild Turkey, Rare Breed, 54,1%

Nase (ohne Wasser): Ich geh kaputt, der Geruch erinnert mich so stark an einen Duft aus meiner Kindheit…ich komm aber nicht drauf (Bourbon habe ich damals mit Sicherheit noch nicht gerunken ;-) ). An sich sehr schöne Nase – Kandiszucker, Süßigkeiten, Veilchen, aber auch würzig, leicht verkohlt.

Geschmack (ohne Wasser): würzig. Menthol, Haribo Viola Lakritz Bonbons, Pfeffer, Mais, verbrannter Toast.

Nase (mit Wasser): vielleicht noch blumiger, ansonsten nicht viel neues oder Verschiebungen.

Geschmack(mit Wasser): Würzig/pfeffrig. Natürlich sanfter, etwas ölig.

Abgang (mit Wasser): Mittellang vom Geschmack, aber lang wärmend.
Wieder würzig mit Pfeffer, dazu ein bisschen Holz.

Fazit: Ja, schon nicht schlecht. Nicht mein Lieblingsbourbon, aber dennoch  keine Zeitverschwendung ;-)

Review 77_Old Crow, 6yo, 43%, Traveler’s Fifth, Bourbon

Veröffentlicht in Bourbon, OA, Old Crow, reviews am Juni 10, 2013 von duesseltaler

Mal ein wenig off topic: Zum Ende dieser Bundesligasaison ist der Verein meines Herzens leider wieder in die Zweite Liga abgestiegen. Nun mag ich hier gar keine Fußballdiskussion eröffnen, aber einen kleinen Vergleich zum Whisky bzw. dessen Bewertung ziehen:
Das Nervige neben der Trauer des Abstieges und der Unlust auf Montagsspiele, sind die scheinbar genauso unerschöpflich wie ungefragten Meinungen und Analysen, die man sich von allen Seiten von Bekannten, Kollegen und Freunden anhören – nein – antun muss ! Immer der Ansicht, man könnte mich mit rationalen Argumenten beruhigen, von der sportlichen Richtigkeit überzeugen, trösten, was auch immer.
Dabei sollten Jene in meinen Augen einfach nur mal verstehen, dass es beim Fußball, wie beim Whisky, keine zwei Meinungen gibt….nein….nämlich tausende. Mit dem Herzen dabei, denke ich nämlich nicht nur, dass mein Verein es verdient hätte in der Bundesliga zu verbleiben, sondern, dass er das besch*** RECHT dazu hat und dass jede Art von anderslautender Realität ein Verstoß gegen universelle Gesetzmäßigkeiten darstellt – Da gibt es nix zu diskutieren und einzuordnen !
Ebenso ist es auch beim Geschmack. Wenn mir etwas nicht schmeckt, dann schmeckt es mir nicht. Und wenn mir der tausendfach prämierte 1900er Götterschweiß mit Bernsteinzimmerfinish nicht besser gefällt als der 3-Jährige aus der Hinterzimmer-Brennerei meines Nachbarn Norbert, dann ist das eben so; Und vor allem ist das genauso legitim wie die Meinung derjenigen, die den Schweiß lieber mögen als die Erzeugnisse von Norbert.
Keine noch so schlechte Rückrunde oder noch so viele Whisky Awards entscheiden hier über die eigene Wertung, sondern der persönliche Gusto entscheidet. Das heißt nicht, dass alle Preise quatsch sind. Sie können ein Indiz und Anregung sein und sind genauso berechtigt wie sie nicht unumstößlich sind. Das ist doch das Schöne am Fasswasser, man kann neben dem Genießen auch noch stundenlang darüber philosophieren. Dabei ist der Weg das Ziel, ein Richtig oder Falsch gibt es nur für jeden persönlich.

In diesem Sinne Forza Fortuna und Sláinte Math, was gibt es denn heute ?
Es gibt das letzte sample aus der Box, die mir Sjoerd von Malt Facination in Limburg überreicht hat.
Das Besondere: Der Bourbon ist zwar 6 Jahre gereift, aber bedeutend älter was sein Abfülljahr angeht. In den frühen 70er Jahren kam er in die Flasche.

old crow

Old Crow, 6yo, 43%, Traveler’s Fifth
Nase: Salmiak (vergeht allerdings schnell), bisschen Klebstoff, dazu Honig. Er ist weich in der Nase, zeigt trotzdem Pfeffer. Dezente Vanille. Erinnert an ein frisch gefertigtes Möbelstück.

Geschmack: Würzig pfeffrig, dennoch süß. Wie in der Nase so auch am Gaumen mild. Leider auch ein bisschen schwach, vergeht sehr schnell.

Abgang: kurzer Abgang am ehesten bleibt noch das Holz.

Fazit: Interessant. Ich teile Sjoerds Meinung, dass das Rad der Zeit dem Geschmack mehr genommen hat als der Nase, aber immer noch ne schöne Erfahrung.

Nochmal 1000 DANK für die komplette Box !

Et Düsseltaler

Review 76_Teaninich 21yo, 1973-1994, James MacArthur´s

Veröffentlicht in James MacArthur´s, reviews, Teaninich, UA am Juni 6, 2013 von duesseltaler

Das Wetter in jenen Tagen, da ich dies hier schreibe, ist alles anderes als eines Sommers würdig.
Das bisher einzig Gute an der Geschichte ist, dass ich persönlich bei Affenhitze selten Lust auf nen Booze habe und ich deshalb zur Zeit genussvoll das Flüssigkeits-defizit im Innern gegenüber den Wassermassen außerhalb ausgleichen kann. Allerdings besser nicht in den Mengen, sonst wird meine Leber zum “Atlantis” meiner Organe – hoch entwickelt, aber dem Untergang geweiht ;-)
Nun, also die inneren Gummistiefel angezogen und durch ein feines Stück schottischer Brennereikunst waten.
Für mich brennereitechnisch Neuland, geht es heute um einen Teaninich.
Eine Sonderabfüllung zum 500- jährigen Jubiläum der Whiskyherstellung (zumindest gem. ältester Aufzeichnung) aus dem Jahre 1994.

Unbenannt

Teaninich 21yo, 1973-1994 James MacArthur´s

Nase (ohne Wasser): Als erstes Getreide, etwas Birne, Vanille und dazu Holzaromen.

Geschmack (ohne Wasser): süßes Malz, trocken. Leichte Fruchtigkeit.

Abgang (ohne Wasser): Mittellang und trocken mit Holz.

Nase (mit Wasser): Bringt eine minzige Zitrusnote dazu, ebenso Ananas, das Malz geht dadurch etwas zurück in der Dominanz.

Geschmack (mit Wasser): immer noch das krispe Malz, würzig/süß, dazu die Minze, Grüner Apfel, Ananas

Abgang (mit Wasser): sanfter mit Vanille, Holz und Würze.

Fazit: Der Whisky gefällt. Nicht mehr und nicht weniger.

Des Whiskys neue Kleider

Veröffentlicht in sonstiges am Juni 5, 2013 von duesseltaler

Präsentation1

Was dem einen sein “Oh, wie schön!“, ist dem anderen sein “What the F***?“

Worum geht´s? Nein, es geht nicht (wie bei der Einleitung vielleicht vermutet) um die Schlauchbot Lippen von Chiara Ohoven oder sonstige Buckelpisten, die sich diverse Promis ins Gesicht oder sonst wohin spritzen lassen, um auszusehen wie in ein Netzstrumpf gequetschter Schweinehintern, sondern um die Verpackung von Whisky, genauer gesagt um das Flaschendesign.

Googelt  man nach dem “teuersten Whisky der Welt“ bekommt man haufenweise Treffer, wo der Preis sich über die Flasche, anstatt über deren Inhalt definiert.
Klar, der eingefüllte Tropfen hat auch seine 40 bis 50+ Jahre in der Altersangabe stehen und ist selbst bei entsprechender Liquidität aufgrund seiner Seltenheit nicht einfach zu bekommen, aber Diamantenbesatz, handgeschliffenes Kristall und Gold-Applikationen an der Flasche treiben den Preis erst recht in die Höhe. Und am Ende sieht es noch nicht mal gut aus !
Die Modelmaße meines persönlichen Whisky-Geschmacks und des daraus resultierenden Eindruckes lauten 2/49/49 – 2% Flaschendesign, 49% Geruch und 49% Geschmack.
Das Aussehen würde bei meinem Kaufentscheid – gebe ich mich der Theorie hin, ich würde in der Abramovic Liga spielen und mir einen solchen High-End Whisky leisten können – nur eine ganz untergeordnete bis gar keine Rolle einnehmen. Aber auch wenn ich mir weder den FC Chelsea noch das Luxusfasswasser leisten kann, seien hier die Fragen erlaubt: Warum müssen diese besagten Flaschen immer aussehen, wie Chanel No.5 oder ein anderes Duftwasser von “Jean Charles Davidoff zu Bulgari und Lagerfeld“ ?
Und warum hat mein Duschgel dann nicht wenigstens auf der anderen Seite die Form der Balvenie Flaschen ?
Ich versteh es nicht. Aber auch hier gilt: Jeder Jeck is anders und solange es keinem schadet, soll jeder nach seinem Gusto handeln.
Ich habe zum Abschluss mal ein paar Beispiele an Flaschendesigns aufgeführt, die in das oben genannte Schema passen, die einen mehr, die anderen weniger, aber allesamt für mich “too much“ !

Et Düsseltaler

Review 75_ Karuizawa 1982-2009, 26yo, 56,1%

Veröffentlicht in Karuizawa, OA, reviews mit den Tags am Juni 3, 2013 von duesseltaler

Unverhofft kommt oft.
Da befand sich doch noch ein Karuizawa Sample unter all den Leckereien in der Box.

“Das Leben ist halt wie eine Schachtel Samples – Man weiß nie, ob nicht doch noch ein Karuizawa drin steckt.”
Forrest Dram
:-/

Bevor es noch niveauloser wird, ran an das Fasswasser.

japan_kar14

Karuizawa 1982-2009, 26yo, 56,1%

Nase: Die gewohnten Holzaromen, dazu Orange und Röstnoten. Beeren und Karamell.

Geschmack: süß malzig und vollmundig, Holz, Pfeffer. Wieder Röstaromen und Sherry. Minznouancen.

Abgang: mittellang bis lang, trocken mit Eiche. um ehrlich zu sein, find die Eiche ein bisschen unangenehm irgendwie.

Fazit: Die Eiche am Ende gefällt mir nicht, aber sonst wie gehabt: Karuizawa = First Class Whisky

Review 74_Karuizawa Noh 1995-2008, 12yo, Japanese Wine Cask, 63%

Veröffentlicht in Karuizawa, OA mit den Tags am Mai 29, 2013 von duesseltaler

Wie heißt es noch: “Auf einem Karuizawa kann man nicht stehen.” ;-)
Mein letztes sample Karuizawa ruht hier vor mir im Glas. Picasso hatte seine “blaue Periode” (Die habe ich trotz Whisky-Bloggerei größtenteils schon länger hinter mir) und ich beende nun wohl meine Karuizawa Periode. ;-)
Also nochmal abtauchen in das Nippon-Wässerchen. Mal sehen, ob auch dieser Karuizawa rockt ?!

karuizawa_2

Karuizawa Noh 1995-2008, 12yo, Japanese Wine Cask, 63%

Nase (ohne Wasser): Keine Ahnung, ob ich aufgrund der ganzen älteren Whiskys nun zum Snob werde oder verwöhnt…
Finde den Tropfen nicht sehr tief. Süß, etwas Pflaume. Erinnert leicht an den Pflaumenschnaps, den ich beim Chinesen immer als Aperitif bekomme.
Aber trotz des hohen Alkoholgehaltes werden die Aromen nicht so getragen.

Geschmack (ohne Wasser): Hier schon kräftiger und deutlicher auftretend. Wieder Pflaume und etwas Frucht. Aber sonst auch etwas einseitig.

Abgang (ohne Wasser): wie gehabt, fehlt es an Komplexität und Durchlagskraft.

Nase (Mit Wasser): Ja, das Wasser hilft. Die Frucht frischer, offener. Leichte Zitrusnote, Apfel. Süß, Karamellbonbon.

Geschmack (mit Wasser): süßlich, den Speichelfluss anregend, leicht würzig, mit Zucker überstreute Orange, aber auch herbe Noten.

Abgang (mit Wasser): lang, trocken, aber auch süß. Schön ausbalanciert.

Fazit: Ohne Wasser ok, aber irgendwie unausgereift. Mit Wasser süffiger und vielfältiger.

Review 73_Karuizawa Noh 1976-2009, 32yo, Sherry Butt, 63%

Veröffentlicht in Karuizawa, OA mit den Tags am Mai 26, 2013 von duesseltaler

Die “Happy Days” gehen weiter. Noch immer schöne Samples in der Box. Heute soll’s mal wieder ein Karuizawa sein. Tja, was wird wohl sein in ein paar Jahren. So richtig im Thema Fukushima und die möglichen Belastungen des Whiskys durch die Radioaktivität bin ich nicht. Habe irgendwo aufgeschnappt, dass von den bereits abgefüllten Flaschen keine Gefahr ausgeht. So richtig “kribbelig” wird es wohl erst, wenn der Whisky in die Flaschen und den Handel kommt, der aus kontaminierter Gerste gebrannt wurde. Im Moment liest man in den Foren und Fachblättern keine Warnung, Bedenken oder ähnliches…solange dies so bleibt genieße ich die mir gegebenen Möglichkeiten an Nippon Whiskys.
Und die sind leider durch den extrem steigenden Preis eh immer seltener.

karuizawa

Karuizawa Noh 1976-2009, 32yo, Sherry Butt, 63%

Nase (ohne Wasser): Kräftig/würzig.
Holzaromen, auch wieder Holzpolitur. Die Frucht ist spürbar, aber sehr dunkel und schwer, hintergründig Tabak, Leder.

Nase(Mit Wasser): Nun wird die Frucht etwas leichter, aber immer noch sehr Sherrybetont und dunkel. Aber auch Orange dabei. Wieder Tabaknoten. Später kommt manchmal ne Nuance durch, die erinnert mich an ein frisch abgebranntes Streichholz.

Geschmack (ohne Wasser): Scharf, zu scharf, ich geb was Wasser dazu.

Geschmack (mitWasser): Würzig, nussig mit Frucht und Sherry. Spürbar Eiche.

Abgang: Lang, leicht trocken, mit Eiche.

Fazit: Von den drei Karuizawa, die ich bisher trinken durfte, hat mir der hier am wenigsten geschmeckt.
Ich sage das hier aber auch nur, damit ich nicht ständig in Lobhudelei verfalle. Denn so wie auch die Vorgänger, beweist dieser Whisky, dass Karuizawa in meinen Augen zu den besten Whiskys und meinen absoluten Lieblingen zählt.

Review 72_Glenfarclas 1966, 43yo, 48,2%, Sherry Cask,The Whisky Show

Veröffentlicht in Douglas Laing, Glenfarclas, reviews, UA mit den Tags am Mai 23, 2013 von duesseltaler

Da mir gerade keine Einleitung einfällt, der Whisky vor mir aber auch nicht warten kann, heute mal ganz schlicht und schnell, damit wir zum Wesentlichen kommen können:

_____________________________
(Hier könnte Ihre Werbung stehen)

;-)

20130511-080133.jpg

Glenfarclas 1966, 48,2%, 43yo, Sherry Cask,The Whisky Show

Nase: Wow…so mag ich das. Tief und kräftig, Sherry, Schokoladencreme, Rosinen. Dahinter Würze vom Holz. Bisschen muss ich an Schwarzwälder Kirschtorte denken. Boah, ist der toll. Der Alkohol kaum spürbar in der Nase.

Geschmack: Wieder diese tolle kräftige Sherry-, Schokoladenaromen. Etwas wie Moncherie nur 1000x geiler. Finde auch eine minzige Note.
Trotz des Alters, ist das Holz nicht dominant. Es hält sich erst sogar zurück und kommt langsam mit dem:

Abgang: Stärker werdende Eiche. Hinterlässt einen öligen Film auf der Zunge. Insgesamt lang und köstlich.

Fazit: Was ein Teil !!!!
Habe kein Wasser hinzugegeben, weiß also nicht, inwiefern er sich noch öffnet. Besser kann er kaum werden.

Review 71_Clynelish 1971,38yo, Douglas Laing (Old Malt Cask), 47,9%, #5055

Veröffentlicht in Douglas Laing, reviews, UA mit den Tags am Mai 22, 2013 von duesseltaler

“Yummy, yummy, yummy – it’s so funny in a whisky-bloggers World”
Ein weiteres Schätzchen aus der sample box, die mir zuteil wurde.
Mein erster Clynelish überhaupt übrigens (ich habe ja noch soviel zu testen :-) ).

Clynelish 1971,38yo, Douglas Laing (Old Malt Cask), 47,9%, #5055clydl_1971v1

Nase: Der erste Eindruck ist kräftig-würzig. Die Würze bleibt, aber mit der Zeit wird er auch weicher in der Nase.
Holzaromen dominieren, daneben aber Frucht. Zuerst dachte ich an Ananas, es ist aber herber, also mehr in Richtung Grapefruit. Der dram ist herrlich komplex und man kann einiges entdecken. So finde ich auch Vanille, ein Hauch Kokusnuss und Pfeffer.

Geschmack: Wie von der Nase schon als Erwartung geweckt, ist der Whisky fruchtig/herb am Gaumen. Ich finde vieles wieder: Die Grapefruit, den Pfeffer, die Vanille und vor allem die Würze des Holz.

Abgang: Mittellang und trocken mit Eiche.

Fazit: Logischerweise ist in alten Whiskys das Holz sehr stark ausgeprägt. Bei guten Tropfen erdrückt dieses Aroma aber nicht alles andere. Das ist hier auch der Fall. Zwar ist der Holzeinfluss schon prägend, aber die Frucht ist ebenso präsent und dazwischen kommen immer wieder andere Nuancen durch.

Et Düsseltaler

PS.: Bitte gebt uns doch auch auf Facebook ein “like” (es gibt auch etwas zu gewinnen).

Review 70_Karuizawa 1964, 48 Jahre, 57,7%

Veröffentlicht in Karuizawa, OA mit den Tags am Mai 20, 2013 von duesseltaler

Der Sommer kommt (nun endlich) und ganz Deutschland hüllt sich in sein Sommerkleid. Die Einen folgen allen propagierten möglichen und unmöglichen Trends, die Anderen tragen einfach das den Temperaturen angepasst Praktischste. Für mich persönlich besteht das Hauptkleidungsstück, zumindest für 6-8 Wochen, aus feinstem vierlagigen Zellstofftuch des Designers Tempo. Ich bin nämlich Heuschnupfenallergiker. Nix Wildes an sich, nur nervig und wenn man gerne Whisky kostet und riecht, schon nen echter “cooler”.
Bevor also demnächst meine Nasenkanäle wieder so dicht sind, wie Christoph Daum während der Pinochet Wochen seines Lieblingslieferanten zu Leverkusener Zeiten, da trinke ich doch noch schnell den einen oder anderen Dram zwecks Blogging.
Sollte mich die Tage wie gewohnt der ungeregelte Histaminhaushalt am effizientem Verkosten hindern, packe ich zusätzlich ein paar meiner alten, vor MEwhisky gesammelten Notizen hier rein.
Heute aber hatte ich noch frisch, durch die unglaubliche Großzügigkeit einer Blog Bekannschaft, einen echten Hammer im Glas. Rein von der Rarität und damit auch vom Preis (um die 12.000,- €) her ein Whisky, den ich niemals hätte kosten können, wären mir da nicht eben diese 1cl  zugespielt worden.
Also schauen wir mal, ob der Whisky hält, was andere Reviews bereits versprochen haben:

img_1

Karuizawa 1964, 48 Jahre, 57,7%

Nase (ohne Wasser): Mir wird gleich klar, dass die Zeit und Menge, die mir zur Verfügung steht, nicht ausreichen wird, um alles zu erkunden, was dieser Nippon-Whisky bietet. Die Sherryaromen treffen als erstes, gefolgt von einer Würze, die sich schön harmonisert. Wäre ich nicht so ein Stadtkind und gänzlich unbewandert in den Gerüchen der einzelnen Bäume und Pflanzen, würde ich hier vermutlich detaillierter beschreiben, was ich nun nur als Holzgeruch wiedergeben kann. Es erinnert mich an trockenes, teilweise leicht angekohltes Unterholz. Dazu immer wieder Früchte wie Pflaumen mit braunem Zucker überstreut. Eingelegte Rosinen und andere dunkle Früchte.

Geschmack (ohne Wasser): Natürlich vollmundig, trocken, mit Frucht und Holznoten - Kein Wunder, reden wir hier doch schließlich auch von 48 Jahren Reifung. Kaffeenoten sind genauso spürbar, wie diese Röstaromen, brauner Zucker und Schokolade.

Jetzt will ich es wissen und gebe einen Tropfen Wasser in meinen kleinen Rest im Glas, den ich jetzt schon vermisse.

Nase (mit Wasser): Unglaublich, wie sehr sich der Whisky nun weiter öffnet. Die Würze tritt leicht zurück. Die Fruchtnote wird “heller”, leicht tropisch, frische Minze(?!) Alles lässt sich wiederfinden, nur etwas anders gewichtet. Da passiert viel im Glas, dessen Inhalt nun leider nur noch einen letzten Schluck hergibt.

Geschmack (mit Wasser): So, wie das Wasser die Frucht etwas mehr hervorgehoben hat, so treibt es im Mund die herbe Würzigkeit nach vorne. Ich empfinde ihn nun als sehr(!) trocken, aber er wird nie eindimensional.

Abgang: Äußerst trocken, lässt aber die beschriebenen Aromen  immer wieder als Schimmer über die Zunge huschen. Dunkle Frucht, Kaffee usw.

Fazit: Nein, ich werde nicht sagen, dass es der beste Whisky gewesen ist, den ich je getrunken habe. Nicht, weil er es nicht sein könnte, sondern weil ich mich nicht in Superlativen verlieren möchte und ich (leider) noch nicht sooo viele High End Whiskys kosten konnte (es also an genügend “gleichwertigen” Vergleichsmustern fehlt).
Aber ohne Zweifel ist es ganz große Kunst, was hier hergestellt wurde und ein Highlight unter meinen besonderen Whiskymomenten darstellt. Ich bin sehr dankbar dafür,  dass ich ihn probieren konnte.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 52 Followern an