Archiv für Janet Sheed Roberts Reserve

Money makes the Dram go around

Veröffentlicht in Neuerscheinungen, sonstiges mit den Tags , , am Februar 26, 2012 von duesseltaler

Mal ein paar Gedanken am Rande

Glenfiddich hat viele Abfüllungen auf dem Markt und so mancher Jahrgang ist das Paradebeispiel einer Massenabfüllung. Eine der seltensten, wenn nicht die seltenste von Glenfiddich ist allerdings der Janet Sheed Roberts Reserve, 55Jahre ( benannt nach der Enkeltochter von William Grant, seines Zeichens Gründer der Brennerei ). Die Dame, der dieser Tropfen gewidmet ist, wird 2012 stolze 111 Jahre alt! Nicht weniger stolz ist der Preis, den die erste Flasche dieser auf 11 Flaschen limitierten Sonderabfüllung brachte. Im Dezember 2011 brach sie mit £46.850 den Rekord für den teuersten single malt der Welt. Nun kam die zweite Flasche unter den Hammer und brachte weitere “wahnsinnige” £44.000 für einen guten Zweck.

Doch was heißt hier eigentlich wahnsinnig? Der gehandelte Wert für die Sonderabfüllung zum 60 Jährigen Thronjubiläum der Queen von Diageo /Johnnie Walker  schlägt die hier erzielten Preise um Längen. £100.000 müsste man wohl berappen um diesen Whisky ja…was denn…um ihn im Regal oder sogar im Safe stehen zu haben? “Darf“ man den überhaupt öffnen ?

Es gilt zu hinterfragen: Ist das eigentlich noch ein vertretbarer Wert für eine Spirituose oder Kommerz-Wahnsinn ?

Früher oder später muss sich jeder Liebhaber und Sammler fragen, wie viel er denn für sein Hobby ausgeben möchte. Wenn das Hobby  Leidenschaft geworden ist, bestimmt die Grenzen für das “Wollen“ nicht selten das “Können“. Auch ich als Whisky Freund habe mir zu Anfang Grenzen gesetzt. „Na mehr als 50,- € wird es wohl nicht werden…eventuell mal der 21 Jährige mit Rumfassfinish für 95,- € etc.“ Doch mit zunehmender Erfahrung, wachsendem Wissen und einer Geschmacksfindung findet man immer mehr Abfüllungen, die einem gefallen und  es gelangen immer mehr Brennereien, ob noch aktiv oder stillgelegt, in das Visier der Begierde. Proportional steigt mit dem Interesse das Verlangen nach bestimmten Flaschen und mit ihr die Priorität im persönlichen “Warenkorb“. Und auf einmal werden Flaschen gekauft, die vorher noch irgendwie „zu teuer“ waren. Der Preis der Flaschen hat sich dabei nicht geändert, sondern nur der Blick auf diese. Man ist einfach nur bereit mehr von seinem, sagen wir es mal so, wie es ist: „sauer verdientem Geld“ in sein Hobby zu investieren.
Und das ist auch OK so, solange man diese gesteigerten Ausgaben kompensieren kann (ggf. zu Lasten anderer Hobbys) und nicht an existenziellen Dingen spart. Man sollte auch die Wertigkeiten im Leben nicht zu sehr verschieben. Bei allen Ausgaben, die man bereit ist für sein Hobby auszugeben, sollte dies immer den Stellenwert eines Hobbys behalten. Ein soziales Engagement bzw. die ein oder andere Spende hat noch nie geschadet und hilft den Blick dafür zu behalten, wie gut es einem geht und erinnert daran, dass andere Menschen sich täglich fragen, wo sie überhaupt Wasser herbekommen und nicht ob man nun den 30-Jährigen oder doch den 40-Jährigen kaufen kann. Ein gesundes Trinkverhalten sei eh grundsätzlich jedem empfohlen. Ich selber achte immer mehr darauf lieber weniger, dafür hochwertigere Whiskys zu kaufen und zu trinken.
Und da sind wir wieder bei meiner Frage von oben: „[…]um diesen Whisky ja…was denn…um ihn im Regal oder sogar im Safe stehen zu haben? “Darf“ man den überhaupt öffnen ?“
Mein persönliches Credo ist: Whisky is for drinking ! Ich würde jede Flasche, die ich mir leisten kann auch öffnen und trinken! Auch meine wohl derzeitige Traumflasche, der Highland Park mit 50 Jahren (derzeit ca. £10.000) würde, sofern ich ihn mir jemals „verantwortungsvoll“ leisten könnte, früher oder später als leere Flasche in der Vitrine landen.
Ein Sammler sieht das alles natürlich ganz anders, aber das mag jeder halten wie er mag.

In diesem Sinne: „however you like it – just enjoy“

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